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Vitamin D-Mangel und seine Folgen

Fit durch den Winter: Sonne tanken und Vitamin D-Mangel vorbeugen

Im Sommer fühlen wir uns wohl, im Winter leiden wir eher unter Stimmungsschwankungen. Schuld daran ist unter anderem der Mangel an Vitamin D. Wie wir das am besten aufnehmen, erklären Prof. Dr. Thomas Jüstel und Prof. Dr. Joachim Gardemann.

Wofür brauchen wir Vitamin D?

Prof. Gardemann: Das Vitamin D steuert biochemische Reaktionen im gesunden Körper. Es unterstützt den Aufbau der Knochen und der Muskulatur, führt zur Stärkung des Immunsystems, hat eine Schutzfunktion für die Nervenzellen des Gehirns und für das Herz-Kreislaufsystem, senkt den Blutdruck und schützt auch vor Krebserkrankungen.

Wie nehmen wir Vitamin D auf?

Prof. Jüstel: Zu 90 Prozent erfolgt das über die Sonne, genauer mithilfe der UV-B-Strahlung, zu zehn Prozent über die Ernährung. Lebensmittel, die besonders viel Vitamin D enthalten, sind beispielsweise Seefische wie Lachs oder Makrele. Sie müssten aber schon sehr viel Fisch essen, um Ihren Vitamin D-Haushalt aufrechtzuerhalten. Besser wäre es, viel Sonne zu tanken. Guter Schutz, abhängig von Ihrem Hauttyp, ist dabei natürlich wichtig, übertreiben sollten Sie es mit dem Eincremen aber nicht. Verwenden Sie zum Beispiel Lichtschutzfaktor 50, bilden Sie quasi überhaupt kein Vitamin D mehr, denn dann dringt die UV-B-Strahlung nicht zu den Vitamin D bildenden Hautzellen durch. Lieber nehmen Sie also einen geringeren Lichtschutzfaktor, bleiben dafür aber kürzer in der Sonne – aber bitte nicht in der Mittagszeit.

Wie verhindere ich Vitamin D-Mangel im Winter?

Prof. Jüstel: Den verhindern Sie eigentlich nur, indem Sie in der kalten Jahreszeit dahinfahren, wo die Sonne kräftig scheint. Denn zwischen Oktober und März haben wir in unseren Breiten eigentlich keine Chance, Vitamin D über die Sonne aufzunehmen – das ist das Problem beim Winter hierzulande. Eine Woche Sonne pur würde schon genügen. Aber da wir ja nicht ständig Urlaub in der Karibik machen können, bleibt nur eins: Von April bis September so viel wie möglich rausgehen und die Sonne genießen, denn der Körper speichert Vitamin D für eine gewisse Zeit. Etwa zwei bis drei Monate dürften das sein. Je älter Sie werden, desto mehr sollten Sie sich in der Sonne aufhalten, denn mit zunehmendem Alter bilden die Hautzellen langsamer Vitamin D. Zu viel davon über die Sonne aufnehmen können Sie übrigens nicht, denn der Körper baut es photochemisch wieder ab. Gefährlich wird es aber, wenn Sie Vitamin D durch Ernährung überdosieren, zum Beispiel spezielle Nahrungsergänzungsmittel in Form von Tabletten einnehmen. Das sollten Sie nur nach Rücksprache mit Ihrem Arzt machen. Generell leiden wir aber in den Wintermonaten eher unter einem Mangel.

Prof. Gardemann: Gerade Kinder in den ersten zwölf Lebensmonaten haben aufgrund des Knochenwachstums einen erhöhten Bedarf. Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (DGKJ) empfiehlt unabhängig von der Vitamin-D-Produktion durch UV-Licht in der Haut und der Vitamin-D-Zufuhr durch Muttermilch bzw. Säuglingsnahrung bei gestillten und nichtgestillten Säuglingen die tägliche Gabe von einer Vitamin-D-Tablette (400-500 Internationale Einheiten) ab dem Ende der ersten Lebenswoche bis zum Ende des ersten Lebensjahres. Die Prophylaxe kann im zweiten Lebensjahr in den Wintermonaten fortgeführt werden.

Ob bei Erwachsenen ein Vitamin D-Mangel vorliegt, lässt sich am besten durch einen Bluttest nachweisen. Wer unsicher ist, sollte den ruhig mal machen lassen – er zählt allerdings nicht zu den Kassenleistungen. 

Die gesundheitlichen Folgen von Vitamin D-Mangel könnten auch viele zufluchtssuchende Frauen in Deutschland spüren. Denn aus religiösen Gründen verdecken einige von ihnen ihren Körper. Ob sie deshalb einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind, an Vitamin D-Mangel zu leiden, untersucht derzeit Oecotrophologie-Studentin Ann-Kathrin Klein in ihrer Masterarbeit. Mehr dazu lesen Sie in unserem aktuellen Hochschulmagazin „fhocus“ auf den Seiten 30 und 31! (Hochschulmagazin fhocus 2017-2018 Download)

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Quelle: FH Münster | Foto: Robert Rieger / Retusche: Anton Spachmüller

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