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61. DGE-Kongress zu Ernährung und Alltagsbewältigung

Wie gelinkt eine gesunde Ernährung trotz stressigen Alltags

Wie es in Zukunft einfacher gelingen kann, sich in einem oft stressigen Alltag gesund und ausgewogen, nachhaltig und bezahlbar zu ernähren, diskutieren rund 600 Wissenschaftler*innen, Nachwuchsforscher*innen und Ernährungsfachkräfte auf dem 61. Wissenschaftlichen Kongress der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) in Kassel.

Zum Thema „Ernährung und Alltagsbewältigung – ein Spannungsfeld für Individuum, Haushalt und Gesellschaft“ beleuchtet die Tagung die Herausforderungen einer gesundheitsfördernden Ernährung als Teil des Alltags und zeigt Lösungsansätze auf.

„Klimawandel, Artensterben, Ernährungsunsicherheit, soziale Ungleichheit und die Häufigkeit ernährungsmitbedingter Krankheiten zeigen: Unsere Ernährungssysteme müssen sich ändern. Wir brauchen Ernährungssysteme, die eine nachhaltigere Ernährung unterstützen und Ernährungssicherheit für alle gewährleisten“, sagt Prof. Dr. Anette Buyken, Institut für Ernährung, Konsum und Gesundheit der Universität Paderborn. Gemeinsam mit Prof. Dr. Lars Libuda hat sie die wissenschaftliche Leitung des Kongresses. „Gesundheitsfördernde Ernährung wird oft als zusätzliche Belastung empfunden. Eine gesunde Ernährung in fairen Umgebungen kann jedoch zur seelischen Gesundheit beitragen und dadurch die Bewältigung des Alltags zusätzlich unterstützen“, sagt Prof. Dr. Lars Libuda. Auch Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft Cem Özdemir spricht sich in seiner Videobotschaft zur Kongresseröffnung dafür aus, dass es jedem, der dies möchte, leichter gemacht werden sollte, sich gut, also gesund und nachhaltig zu ernähren, und zwar unabhängig von Einkommen, Bildung oder Herkunft.

Der 2 ½-tägige Kongress bietet über 190 Vorträge und Poster zu aktuellen Forschungsergebnissen, Symposien der DGE-Fachgruppen und Arbeitsgruppen sowie Workshops aus den Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften und angrenzenden Disziplinen. In den Symposien geht es um aktuelle Themen wie u. a.: „Wo stehen wir beim Thema Fleisch?“, „Nachhaltige Ernährung und Ernährungssysteme – messen, verstehen, gestalten“ und den Nutri-Score. Die DGE selbst stellt als Highlight aus ihrer Arbeit im DGE-Symposium FBDG die neuen lebensmittelbezogenen Ernährungsempfehlungen (FBDG, Food Based Dietary Guidelines) für Deutschland vor. Die Fachgruppe Early Career Scientists präsentiert einen Science Slam. Die Vorträge der drei Plenarreferentinnen vertiefen das Schwerpunktthema.

Living Labs für nachhaltige Lebensmittelsysteme

Prof. Dr. Jacqueline Broerse von der Freien Universität Amsterdam unterstreicht, dass Forschung und Innovation das Potenzial haben, unsere Lebensmittelsysteme zu transformieren, traditionelle Ansätze jedoch an ihre Grenzen stoßen. Sie können die Komplexität der Herausforderungen nicht effektiv bewältigen. Um echten Fortschritt zu erzielen, ist ein interdisziplinärer Ansatz erforderlich. In diesem Zusammenhang gewinnen "Living Labs", in denen transdisziplinäre Experimente durchgeführt werden, an Bedeutung. Diese Labore ermöglichen es, Experimente unter Alltagsbedingungen durchzuführen und innovative Lösungen zu entwickeln, die einen nachhaltigen gesellschaftlichen Nutzen schaffen. Broerse zeigt anhand konkreter Beispiele aus EU-Projekten wie FIT4FOOD2030 und FoodCLIC auf, wie diese Ansätze einen positiven Wandel bewirken können.

Nachhaltig, gesund und bezahlbar muss einfacher werden

Für private Haushalte sei es eine komplexe Aufgabe, die tägliche Ernährung so zu gestalten, dass sie nachhaltig, gesundheitsfördernd sowie bezahlbar ist und auch gut schmeckt, betont Prof. Dr. Kirsten Schlegel-Matthies von der Universität Paderborn. Die Expertin in den Bereichen Verbraucher- und Ernährungsbildung sowie Haushalts- und Lebensführung unterstreicht, dass diese Herausforderung nicht allein durch mehr Bildung, mehr Ernährungsinformationen oder einfachere Ernährungsempfehlungen gelöst werden kann. Um Menschen dabei zu unterstützen, sich selbstbestimmt und nach ihren Wertvorstellungen nachhaltig und gesundheitsfördernd zu ernähren, sind andere Strukturen und vor allem andere Ernährungsumgebungen erforderlich. Dazu können neben einer verpflichtenden Ernährungs- und Verbraucherbildung z. B. aktuell diskutierte Werbeeinschränkungen für Süßigkeiten, reduzierte Steuersätze für gesundheitsfördernde und ökologisch produzierte Lebensmittel oder strengere gesetzliche Regelungen für die Verwendung von Inhaltsstoffen sowie verpflichtende Standards für die Gemeinschaftsverpflegung gehören.

Ernährung als Chance zur Alltagsbewältigung

Gesundheitspsychologin Prof. Dr. Louise Dye von der Universität Sheffield nähert sich dem Thema auf individueller Ebene. Sie gibt einen Überblick über die aktuelle Forschung zum Einfluss von Ernährungsdefiziten auf die psychische Gesundheit. Dye erläutert, wie eine ausgewogene Ernährung mit psychologischem Wohlbefinden und kognitiver Leistungsfähigkeit zusammenhängt, und welche Mechanismen dabei eine Rolle spielen. Dies umfasst sowohl die Auswirkungen einzelner Nährstoffe als auch die Effekte von Ernährungsmustern, wie der Einfluss des Frühstücks auf Kognition, Verhalten und akademische Leistungen. Dye thematisiert außerdem, wie der Anstieg der Ernährungsunsicherheit die psychische Gesundheit beeinflusst, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen. Neben experimentellen Studien diskutiert sie potenzielle Interventionen in Schulen und auf kommunaler Ebene, um Ernährungsunsicherheit (“Food Insecurity“) zu reduzieren.

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Quelle/Autor/in: Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE)| Bild © Christian Augustin

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